













Pressemitteilung der UNO aus dem Jahre 1950 (Originaltext)
Beobachter der UNO überwachten heute mit der Kooperation der israelischen und jordanischen Behörden die Überführung des biblischen Zoos von Skopus-Berg durch jordanisches Territorium zu einem neuen Quartier im israelischen Teil der Stadt.
Die Überführung beinhaltete wie folgt: einen Löwen, einen Tiger, zwei Bären, eine Hyäne, drei Kängurus, einen Affen und unzählige Vögel. Die internationale Vermittlung war notwendig geworden, da die Frage der Tierfütterung auf dem (isolierten) Skopus-Berg allen Beteiligten, der UN, Israel und Jordanien, einzigartige Probleme bereite.
Man musste sich entscheiden, ob
1.) israelisches Geld dafür benutz werden sollte, einen arabischen Esel zu kaufen, um den israelischen Löwen zu füttern oder
2.) ein israelischer Esel durch jordanisches Gebiet geführt werden sollte, um von besagten Löwen gefressen zu werden.
Da keine befriedigende Lösung gefunden werden konnte, einigten sich beide Seiten darauf, den Zoo zu evakuieren.
(Quelle - Zitiert: Gil Yaron - Jerusalem)
Tel Aviv, eine Stadt der Gegensätze: Hochburg des Technohedonismus und Zentrum der linken Rockszene. Jerusalem, heilige, doch ungewollte Stadt: Pilgerort dreier Religionen und gleichzeitig Sitz politischer Propaganda. Dikla Stern, kritische Beobachterin Israels aus der Perspektive einer Europäerin, versucht, einen Ausweg zu finden aus dem Dilemma nationalistischer Tendenzen:
"Meine Gasmaske, meine Ratte und mein Bodyguard"
Eine sprachliche Anpassung an die Sinnlosigkeit der Werbung, auch der Krieg wird darin zynisch und künstlich inszeniert. Trotz gegenteiliger Botschaft in den Medien, Gasmasken haben nicht alle in Israel. Was sollen diese suggerieren, wieder den nächsten Krieg?
Ratten spüren Landminen auf, sie symbolisieren die unzähligen Menschen, die ihnen immer noch zum Opfer fallen. Nicht fehlen darf schließlich der Bodyguard, nettes Beiwerk persönlicher Sicherheit unserer Zeit. Willkommen im 21. Jahrhundert.
Dikla Stern - Existentiell. Deutsch. Jüdisch. Intellektuell. Underground. Art. Rock`n`Roll. So definiert sie sich selbst.
Sie arbeitet tags und nachts, wie schlaftrunken vom Strudel politischer Ereignisse und von der Gewissheit getrieben: Politik ist ein Schachspiel, bei dem der einzelne Mensch nur die geringste Rolle spielt. Wenn dies eine Reise nach Jerusalem ist: Wer wird zum Schluß bleiben, und was ist der Preis?
Als Gegenversuch: Die Wüste - ein Gleichmacher. Hier darf jeder alles. Von protestieren bis schmähen. Die innere Revolte bleibt.
Dikla Sterns Kladden sind in Mannheim bekannt, sie selbst fällt als Lebenskünstlerin auf. Sternenklar, dass ihre Statements treffen. Nine eleven in Mannheim. Pinkelpausen sind nötig.
Freitag 24. Dezember, mitten in Jerusalem - im Labyrinth der Altstadt. Jüdisches Viertel. Trinke meinen Kaffee Hafuch, leicht angespannt. Meine Oberschenkel zucken - Freitags in Jerusalem.
„Seid ihr verrückt? Freitags in Jerusalem?“ Kopfschütteln.
Laufen durch das muslimische Viertel. Viel los. Angespannte Stimmung. Der Muezzin ruft zum Gebet. Die Menschenmenge läuft hastig die engen Gassen des arabischen Viertels entlang, in Richtung al-Aksa-Moschee. Weltbekannt. Und es kommen viele Menschen - sehr viele.
Wir zwei, die einzigen, die wie Fische gegen den Storm schwimmen, laufen Richtung Ausgang, aus dem Viertel und natürlich verlaufen wir uns. Noch eine Gruppe von Touristen aus irgendeinem Punkt dieser Erde. Raus. Es ist warm für diese Jahreszeit. Das Altstadt-Labyrinth lichtet sich. Die Gassen sind gespenstisch leer geworden. Und ruhig. Zu ruhig.
Draußen laufen wir außerhalb der Stadtmauern. Wir befinden uns wieder vor dem Damaskus-Tor. Eine riesige Menschenmenge befindet sich davor. Köpfe scheinen wie Punkte. Wir machen uns auf den Weg zur Jaffo-Street. Auch dieser Stadtteil von Jerusalem lichtet sich und wir befinden uns plötzlich unter jugendlichen Pfadfindern, aber wir - wir laufen unserem Hunger entgegen. Es wird langsam dunkel. Genau wie im moslemischen Viertel beginnen sich die Strassen zu leeren, das geschäftliche Treiben drängt auch diese Menschen zum Freitagsgebet. Schneller Blick, kurzes Aufschauen, weiter. Es wird Zeit, das Freitagsgebet.
Und wir? Wir gehen unseren Weg. Auf jeden Fall nicht zum Freitagsgebet!