Im privaten, öffentlichen, sozialen und zwischenmenschlichen Bereich lässt sich aktuell ein verstärktes Sicherheitsbedürfnis in unserer Gesellschaft feststellen. Objektiv drückt sich dies zum Beispiel im zunehmenden Verkauf von sicherheitsversprechenden Gütern wie Überwachungskameras aus. Unterschiedliche Formen der Existenzangst motivieren zum Kauf solcher Güter. Das erhöhte Sicherheitsbedürfnis und die daraus resultierenden Vorsichtsmaßnahmen gehen im Extremfall fließend über in individuelle und kollektive Wahnvorstellungen.
Zwischen berechtiger und unberechtigter Angst zu unterscheiden ist so einfach nicht. Ebenso wenig leicht fällt die Unterscheidung zwischen einer im Menschen ständig vorhandenen Angst, welche je nach Situation positiv oder negativ wirken kann, und einer solchen, die künstlich von außen geschürt wird. In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, die Wahrnehmung der Autorin an vorhandenen Begebenheiten reflektiert darzustellen. Hierbei liegt der Fokus auf Sicherheitsmaßnahmen und Sicherheitsprodukten, welche aktuell auf dem freien Markt legal oder illegal vorhanden sind.
Im politischen System wird heute Biopolitik betrieben, wobei die Produktion von Angst eine zentrale Rolle spielt. Das ökonomische System der privaten Profitmaximierung knüpft an diese Angst an. Überwachung, Kontrolle und so genannte Sicherheit instrumentalisieren diese und können schließlich mit gezielten Produkten gegen bewusst geförderte Angstzustände wirken. Insofern boomt aktuell das Geschäft mit der Angst.
Michel Foucaults „Überwachen und Strafen“ liefert den theoretischen Grundstein zum Verständnis, auf dem der praktische Teil der Arbeit aufbaut. Im theoretischen Teil liegt der Fokus auf bestimmten ausgesuchten Elementen, der Überwachungs-, Straf-, Kalkül- oder Haftmechanismen, sowie auf verschiedenen modernen Erziehungs- und Überwachungsinstitutionen, welche miteinander verknüpft sind und mit der Zeit den geänderten Bedürfnissen angepasst wurden.
Praktischer Teil IV: “Eine Umsetzung am Produktbeispiel FEEL WELL”
– Der Wohlfühlshop
Bei der praktischen Umsetzung handelt es sich um ein Konzept für einen Internetshop, der Wellnessprodukte anbietet. Es gibt sechs Produktkategorien, von Anti-Aging über Bleaching bis hin zu Schöner Wohnen. Aber auch Viagra, Wellnessweekends und Massagen sind in diesem Shop zu finden. Wie schon erwähnt, werden Sicherheitsversprechen suggeriert, die real nicht immer existent sind. Der Internetshop „FEEL WELL“ ist eine satirische Konzeption. Die Produktbeschreibungen beziehen sich auf die Produkte, können und sollen aber
teilweise zweideutig verstanden werden.